| Veranstaltung: | Landesdelegiertenkonferenz 2021 |
|---|---|
| Antragsteller*in: | LAG Verkehr, Planen, Bauen (dort beschlossen am: 04.10.2021) |
| Status: | Eingereicht (ungeprüft) |
| Angelegt: | 04.10.2021, 21:52 |
A3: Einfach Bus und Bahn fahren: Fünf Verkehrsverbünde – flächendeckend in Bayern
Antragstext
Busse und Bahnen in Bayern können sowohl in den Städten wie auch auf dem Land
einen wesentlich stärkeren Beitrag zu Verkehrswende und Klimaschutz leisten als
heute. Dafür wollen wir die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs ÖPNV
stark vereinfachen und modernisieren. Ein wichtiger Schritt ist die Schaffung
von flächendeckenden Verkehrsverbünden.
Angelehnt an den Vorschlag des Obersten Rechnungshofs sowie am Erfolgsmodell in
Österreich schlagen wir vor, fünf große, leistungsstarke Verbünde mit
einheitlichen Standards zu schaffen. Diese fünf Verkehrsverbünde entwickeln ein
kundenfreundliches, attraktives Liniennetz und Tarifangebot sowie moderne,
digitale Vertriebswege mit dem Ziel, die Zahl der Fahrgäste massiv zu steigern.
Der Einfachheit halber schlagen wir eine Gliederung gemäß den sieben
Regierungsbezirken vor, wobei die bereits weitgehend zum VGN
zusammengeschlossenen Bezirke Ober- und Mittelfranken einen Verkehrsverbund
bilden. Ebenso die beiden ostbayerischen Bezirke Niederbayern und Oberpfalz. Das
ist - wie in Österreich - einfach und für alle verständlich.
Verkehr macht nicht an Verbund-, Tarif-, Stadt- oder Landkreisgrenzen halt. Wir
wollen, dass man sich in ganz Bayern nach dem Prinzip „eine Fahrkarte“
unkompliziert bewegen kann: Für alle öffentlichen Verkehrsmittel von A nach B
gilt dasselbe Ticket. Auch in allen Nahverkehrszügen. Baden-Württemberg hat dies
längst realisiert. Ferner können alle Verkehrsverbünde Überlappungszonen
einrichten für Bereiche mit starken Pendelbezügen. Ein Aus- und Einpendeln in
Nachbarverbünde kann auf diese Weise unkompliziert und nutzungsfreundlich
geregelt werden.
Darauf aufbauendwollen wir attraktive und einfach verständliche Tarife für jeden
Geldbeutel gestalten: Vom Sozialticket über Jobtickets bis zum
Senior*innenticket sowohl als Tages-, als Wochen- oder auch als Monatsticket
oder im Abonnement. Junge Menschen wollen wir kostenfrei befördern. Steigende
Fahrgastzahlen aber auch die Umlenkung klimaschädlicher Subventionen können
verbilligte Ticketangebote refinanzieren.
Wir Grüne wollen moderne, leistungsfähige und vor allem flächendeckende
Verkehrsverbünde. Die Vorteile sind:
ein einheitliches und unkompliziertes Tarifsystem,
ein von allen Verkehrsunternehmen anerkanntes, einfaches
Fahrkartensortiment,
aufeinander abgestimmte Fahrpläne mit Anschlusssicherung,
einheitliche und leicht verständliche Fahrplaninformationen,
effektives Marketing,
Beratung der Landkreise und kreisfreien Städte bei der Planung und
Bestellung eines attraktiven Fartenangebots,
Gestaltung von kundenfreundlicher Übergangstarifen in benachbarte
Verbünde,
Nutzung von Chancen der Digitalisierung u.a. für nutzungsfreundliche
digitale Tarife und Vertriebswege (Bsp. Oyster-Card in London),
Ein bayernweiter Tarif analog zum BW-Tarif in Baden-Württemberg,
Möglichkeit der Einrichtung vollwertiger S-Bahn Netze in allen Verbünden.
Flächendeckende Verkehrsverbündesind die unumgängliche Basis für ein modernes
ÖPNV-Angebot, für Verkehrswende und Klimaschutz. Sie sind die Voraussetzung, um
Verkehr von der Straße in Bus und Bahn zu verlagern, um Staus und Lärm zu
reduzieren und um endlich Alternativen zum Auto für alle Menschen anzubieten.
Mobilität ist ein Grundbedürfnis, das insbesondere auf dem Land nicht länger nur
von Auto- und Führerscheinbesitz abhängig sein darf. Ein gutes und einfaches
Angebot von Bussen und Bahnen ist für uns Bestandteil der Daseinsvorsorge und
sozialer Gerechtigkeit in Stadt und Land.
Begründung
Begründung
Um die Pariser Klimaziele erreichen zu können, muss auch die Mobilität rasch klimaneutral werden. Hierbei spielen Bus und Bahn eine zentrale Rolle. Bus und Bahn sind eine maßgebliche Stellschraube, um in unseren Städten aber auch auf dem Land Verkehr von der Straße zu verlagern und mehr Platz für Fußgänger*innen, Radfahrer*innen zu gewinnen, um Lebensqualität und Verkehrssicherheit, Lärmschutz und Luftqualität zu verbessern. Unser Ziel ist, die Fahrgastzahlen in Bayern bis 2030 zu verdoppeln. Damit dies gelingt, muss nicht nur das Angebot im ÖPNV ausgebaut werden, sondern auch die Nutzung von Bus und Bahn vereinfacht und günstiger werden.
Bayern ist heute auf dem Land eine rückständige ÖPNV-Diaspora. Der Zustand ist in weiten Teilen Bayerns nicht ansatzweise geeignet, die Verkehrswende zu unterstützen. In vielen Landkreisen existiert kein vollwertiger Verkehrsverbund, bei dem auch die Bahn genutzt werden kann. Es besteht ein Dschungel an Tarifen, Strukturen und Angeboten, der das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln oft unattraktiv macht.
Deshalb wollen wir GRÜNE landesweit flächendeckende Verkehrsverbünde schaffen! Alle Bürger*innen Bayerns profitieren davon, wenn Bus und Bahn attraktiver und einfacher nutzbar werden und Staus sowie Belastungen durch den Straßenverkehr abnehmen.
Wir orientieren uns dabei am österreichischen Erfolgsmodell. Dort hat jedes Bundesland einen Verbund (im Osten des Landes bilden drei Bundesländer zusammen einen Verbund). Das ist einfach und gut verständlich für die Fahrgäste. Österreichische Bundesländer können mit bayerischen Regierungsbezirken hinsichtlich Größe und Bevölkerungszahl verglichen werden. Ein organisatorischer Zusammenschluss der Verkehrsverbünde im Umgriff der Regierungsbezirke wäre daher naheliegend. Auch der Oberste Rechnungshof in Bayern empfiehlt eine flächendeckende Versorgung mit fünf bis sieben Verkehrsverbünden.
Um eine flächendeckende Versorgung zu erreichen, wollen wir Grüne, dass der Freistaat Bayern die Landkreise und kreisfreien Städte entlastet, integriert und die zu gründenden Verbünde finanziell und organisatorisch als Gesellschafter unterstützt.
Derzeit laufende Verbunderweiterungen und Überlegungen zu Verbundgründungen wollen wir GRÜNE nicht behindern und bremsen. Im Gegenteil: Alle Schritte zur Verbesserung des ÖPNV in Bayern sind willkommen. Bestehende Verbünde können unkompliziert in Überleitungsverträgen zusammengeführt werden, bis in einem überschaubaren Zeitraum von wenigen Jahren die Ausbaustufe von fünf Verkehrsverbünden, vorzugsweise unter dem Dach eines bayernweiten Landestarifs zusammengeführt werden.
Aufgabenträger bleiben in unserem Modell weiterhin die Landkreise und kreisfreien Städte. Sie bleiben in der Verantwortung, in ambitionierten Nahverkehrsplänen eine gute Versorgung mit ÖPNV in der Fläche zu planen und dann an Verkehrsunternehmen zu vergeben. Jedes Verkehrsangebot bleibt so in der Entscheidungshoheit der zuständigen und demokratisch gewählten Gremien. Der Freistaat Bayern muss die Aufgabenträger durch Zuschüsse finanziell in die Lage versetzen, dieser Aufgabe nachzukommen.
Die vielfältigen Verkehrsunternehmen sind für uns Grüne die tragende Säule der Verkehrswende und unsere wichtigsten Partner. Ihr unternehmerisches Know-How, die Ortskenntnis und die Innovationskraft unserer bayerischen Verkehrsunternehmen wollen wir nutzen und sie in einem wachsenden Markt klimafreundlicher Mobilität stärken. Mit unserem Verbündemodell bieten wir die besten Voraussetzungen für ein starkes Wachstum des ÖPNV. Dies bedeutet für die Verkehrsunternehmen neue Möglichkeiten, Aufträge und Wachstumschancen. Die Gesellschaft profitiert von deutlich mehr zukunftsfähigen Arbeitsplätzen mit einer breiten Vielfalt an Berufen bei Bus und Bahn in allen Landesteilen.
Unterstützer*innen
- Fabian Norden (KV München)
- Niklas Dehne (KV Würzburg-Stadt)
- Friedrich Adrian (KV München)
- Anais Schuster-Brandis (KV München)
- Vimala Rubens (KV München)
- Stefan Schmidt (KV Regensburg-Stadt)
- Clemens Schröter (KV München)
- Benjamin Sertl (KV Tirschenreuth)
- Jan Pontzen (KV München)
- Sebastian Hansen (KV Würzburg-Land)
- Matthias Lorentzen (KV Augsburg-Stadt)
- Barbara Poneleit (KV Forchheim)
- Peter Brückner (KV Würzburg-Land)
- Ursula Harper (KV München)
- Tanja Potzler (KV Bayreuth-Land)
- Maria-Josefine Haimerl (KV Kelheim)
- Andreas Auer (KV Passau-Stadt)
- Oliver Strisch (KV Eichstätt)
- Stephan Pösse (KV Aschaffenburg-Land)
- Roland Barfus (KV München)
- Nicole Lorenz (KV Eichstätt)
- Sonja Rümelin (KV München)
- Martin Züchner (KV München)
- Jürgen Friedrichs (KV Ebersberg)
- Karin Scherer (KV Erlangen-Land)
- Marieberthe Hoffmann-Falk (KV Mühldorf)
- Hermann Schoyerer (KV Freyung-Grafenau)
- Johannes Kirn (KV München-Land)
- Alexandra Boneff (KV Ostallgäu)
- Maria Piller (KV Regen)
- Wolfgang Braun (KV Pfaffenhofen)
- Martha Glück (KV Regensburg-Land)
- Anneliese Droste (KV Neustadt-Waldnaab)
- Karina Hagemann (KV Miesbach)
- Simon Tradler (KV Berchtesgadener Land)
- Inge Pütz-Nobis (KV Forchheim)
- Detlef Dobersalske (KV Rosenheim)
- Barbara Haggenmüller (KV Kempten)
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