| Veranstaltung: | Landesdelegiertenkonferenz 2021 |
|---|---|
| Antragsteller*in: | Landesvorstand (dort beschlossen am: 08.10.2021) |
| Status: | Eingereicht (ungeprüft) |
| Angelegt: | 08.10.2021, 12:00 |
EWKS1: Hand in Hand – mit Energiewende und Klimaschutz Bayerns ländliche Räume stärken
Antragstext
Bayerns Wildnis und Kulturlandschaften bieten eine unvergleichbare Schönheit.
Hier werden unsere Lebensgrundlagen geschaffen und erhalten, von sauberer Luft
und sauberem Wasser über fruchtbare Böden bis zu Artenvielfalt und einem
intakten Klima. Gleichzeitig wohnt die Mehrheit der Menschen in Bayern auf dem
Land und hat hier ihre wirtschaftliche Grundlage, ihre Orte des Miteinanders und
ihre Heimat. Wir GRÜNE wollen, dass wir unser Bayern in 30 Jahren noch
wiedererkennen und hier in Wohlstand, Freiheit und Sicherheit leben können. Dazu
müssen wir jetzt handeln.
Denn die sich beschleunigende Klimaerhitzung wird auch hierzulande immer
sichtbarer und spürbarer. Schmelzende Gletscher, Wälder, die von Brand-,
Trockenheits- und Sturmschäden gezeichnet sind, kürzere Schneeperioden, extremer
Starkregen, ausgedorrte Felder, Hitzewellen und tiefe Flussstände: Die
Klimakrise ist hier. Und es ist ernst. Unsere heimische Pflanzen- und Tierwelt
steht unter Klimastress. Sie können sich nicht so schnell anpassen, wie die
Menschheit das Klima aufheizt. Die Klimakrise bedroht das Einkommen in
Landwirtschaft und Tourismus sowie Eigentum, Wohlstand, Sicherheit und Freiheit
der Allgemeinheit. Wir GRÜNE Bayern kämpfen deshalb dafür, konsequenten
Klimaschutz und die sozial-ökologische Transformation unserer Wirtschaft und
Gesellschaft endlich voranzutreiben.
Klimaschutz – die Menschen auf dem Land sind
Vorreiter und große Nutznießer
Ihren Anfang haben Energiewende und Ökologie insbesondere in ländlichen Gegenden
genommen, von den Pionier*innen der Bio-Landwirtschaft und regionalen
Vermarktung bis zu den Vorreiter*innen der sauberen Stromgewinnung aus Sonne,
Wind, Wasser und Biomasse. Diese weitsichtige und historische Pionierleistung
unter widrigen Bedingungen, oft im Ehrenamt, muss von unserer Gesellschaft
endlich mehr Wertschätzung erfahren.
Auch in Gegenwart und Zukunft sind die ländlichen Räume das Fundament der
Energiewende. Nur hier lassen sich die Überschüsse produzieren, mit denen wir
die Menschen in unseren Städten und Ballungsräumen versorgen können. Doch die
Chancen von Energiewende und Klimaschutz für ländliche Räume gehen über die
reine Versorgungsleistung für städtische Räume hinaus. Es ist gerade das Land,
das wirtschaftlich ganz besonders von der Energie- und Mobilitätswende
profitiert: Es fließt mehr Geld in die Region, das örtliche Handwerk wird
gestärkt, die Einnahmen der Kommunen steigen. Und es fließt weniger Geld aus der
Region ab, weil Benzin, Gas, Heizöl und Kohlestrom nicht länger von außen
eingekauft werden müssen. Stattdessen wird erneuerbarer Strom selbst produziert
und genutzt, ob im Unternehmen oder für die Wärmepumpe und das Elektroauto
daheim – so lassen sich massiv Kosten sparen.
Doch die Bundes- und Staatsregierung haben in der Vergangenheit dieses enorme
wirtschaftliche Potenzial für die Menschen auf dem Land verkümmern lassen, indem
sie die Energiewende diffamiert und blockiert haben und in der Verkehrspolitik
im Denken von Gestern verhaftet blieben. Immer schlechtere Rahmenbedingungen,
von wenigen Monaten auf viele Jahre in die Länge gezogene Planungszeiträume und
eine abstruse Verhinderungs-Bürokratie haben den Ausbau der erneuerbaren
Energien stark einbrechen lassen und im Fall der Windkraft sogar völlig zum
Erliegen gebracht. Das ursprüngliche Anliegen einer dezentralen Energiewende in
Bürger*innenhand wurde ausgebremst. Während Milliarden Subventionen in
veraltete, klimaschädliche Technik und immer neue Straßenbauten fließen, fehlt
es gleichzeitig an einer guten Schnelllade-Infrastruktur, an einem attraktiven
öffentlichen Nahverkehr und an einer gezielten Unterstützung, damit Haushalte
mit geringem Einkommen auf Heizen und Mobilität mit erneuerbaren Energien
umstellen können.
Neuer Schwung für die Energiewende
Wir GRÜNE geben dem Ausbau von Wind- und Solarenergie neuen Schwung und machen
die Energiewende wieder zu dem, was sie sein kann: dem größten
Konjunkturprogramm für den ländlichen Raum in der Geschichte der Bundesrepublik
Deutschland.
Im Zentrum einer klimaneutralen, sicheren und bezahlbaren Energieversorgung
steht Strom aus 100% erneuerbaren Energien, der in Zukunft auch große Teile der
Nutzung fossiler Brennstoffe in den Sektoren Mobilität, Wärme und Industrie
ersetzt. Die ökologisch verträglichen Potenziale von Wasserkraft und Biomasse
sind weitestgehend genutzt. Wir wollen daher die installierte Kapazität von
Photovoltaik und Windenergie in Bayern jeweils vervierfachen. Die
Geschwindigkeit des Ausbaus muss dafür stark erhöht werden. Nur so verhindern
wir, dass Bayern immer mehr teuren Strom importieren muss. Sonnenenergie allein
reicht dafür nicht aus, Bayern ist auch Windland – wir brauchen die Mischung.
Ebenso reichen Solaranlagen auf Dächern und Fassaden alleine nicht aus, wir
brauchen auch Freiflächen-Anlagen. Mit Agri-Photovoltaik können wir von der
gleichen Fläche doppelt ernten, Flächenkonkurrenz vermeiden und zusätzlichen
Nutzen durch Schutz vor Hagel, Starkregen, Frost, Austrocknung und Sonnenbrand
erzielen. Um neuen Schwung in den Ausbau der erneuerbaren Energien zu bringen,
fordern wir:
- höhere Ausschreibungsmengen für neue Solar- und Windenergieanlagen
festzulegen
- die bayerische 10H-Windenergie-Verhinderungsregel abzuschaffen
- die Nutzung von allen für Solarenergie in Frage kommenden Dachflächen zum
Standard machen mittels einer Solarpflicht bei Neubauten sowie bei
größeren Dachsanierungen und Umbauten, um so auch den Druck auf
Freiflächen zu reduzieren
- 2% der Landesfläche als Vorrangfläche für Windenergie und 1% der
Landesfläche für Freiflächen-Photovoltaik auszuweisen in Einklang mit den
Bedürfnissen von Mensch und Natur
- für Freiflächen-Photovoltaik insbesondere vormals intensiv genutzte
landwirtschaftliche Flächen zu nutzen, diese mit hohen ökologischen
Standards zu Biotopen aufzuwerten und so auch die nötigen
Ausgleichsflächen innerhalb der Freiflächen-Photovoltaikanlage zu
integrieren
- für Freiflächen-Photovoltaik insbesondere auch ehemalige Moorflächen zu
nutzen, die mittels einer Wiedervernässung einen doppelten Klimanutzen
ermöglichen
- die Ausschreibungsmengen für Agri-Photovoltaik zu verfünffachen und auch
auf Anlagen mit höherer installierter Leistung auszuweiten sowie die
Sonder-Ausschreibung mit jährlich steigenden Mengen zu verstetigen, damit
die Technologie mit Skalierungseffekten günstiger wird und aus der Nische
herauskommt
- nach dem Motto „Nutzen statt Abschalten“ attraktivere Möglichkeiten des
netzfreundlichen Eigenstromverbrauchs und der Direktvermarktung von
Stromspitzen zu ermöglichen und so auch die Sektorenkopplung mit Wärme-
und Wasserstoffproduktion voranzutreiben
- den vorausschauenden und zügigen Ausbau des Verteilnetzes
- die Planungsprozesse zu beschleunigen mit frühzeitiger, echter
Bürger*innenbeteiligung, mit bundesweit standardisierten
Bewertungsmaßstäben für die Koexistenz von Windenergie- und Freiflächen-
Solaranlagen, Naturschutz und Anwohner*innen, mit festen
Bearbeitungsfristen und einer Personal- und Nachwuchsoffensive für
Planungs- und Genehmigungsbehörden sowie Gerichte
Die finanziellen Erträge durch den Ausbau der erneuerbaren Energien sollen bei
allen Bürger*innen vor Ort ankommen, gerade auch bei denen, die am Monatsende
kein Geld zum Sparen übrig haben. Für eine sozial gerechte Energiewende fordern
wir
- die besondere Förderung von Bürger*innen-Projekten bei Wind- und
Solarparks
- die Förderung und Entbürokratisierung von Mieterstrom, damit auch
Mieter*innen stärker von der Energiewende profitieren
- die Förderung des Einbaus von Wärmepumpen und eine zusätzliche Förderung
für Geringverdienende mit weiteren Zuschüssen und zinslosen Krediten
- Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften nach EU-Recht endlich im deutschen
Recht zu verankern, um Produzent*innen und Verbraucher*innen die
gemeinsame Nutzung von sauberem, günstig vor Ort produziertem Strom zu
ermöglichen
- die verbindliche statt nur freiwillige Beteiligung der Kommune an den
Einnahmen aus Windenergie- und Freiflächen-Solaranlagen
Kommunen die Möglichkeit einzuräumen, gegenüber Betreiber*innen von gewerblichen
Wind- oder Solarenergieanlagen lineare Abschreibungen der Baukosten festzulegen,
sodass die Kommunen von Betriebsbeginn an mit Gewerbesteuereinnahmen rechnen
können
Kommunen den Zugang zu Investitionsmitteln für den Aufbau kommunaler
Eigenbetriebe zu erleichtern, damit diese Wind- und Solarenergieanlagen selber
bauen und betreiben und so an der gesamten Wertschöpfungskette teilhaben können
Mobilitätswende von E-Auto bis Bus und Bahn
Wir packen die Mobilitätswende an und machen damit einen großen Schritt zu
gleichwertigen Lebensverhältnissen, denn ein attraktiver öffentlicher Nahverkehr
ist ein echtes Bekenntnis zum Leben auf dem Land. Dazu gehörten für uns Busse
mindestens jede Stunde von früh bis spät und reaktivierte Bahnstrecken.
Unabhängig von einem eigenen Auto mobil sein zu können – das schafft neue
Freiheit, die ein moderner Staat garantieren muss, gerade für Kinder und
Jugendliche oder Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht oder nicht
mehr selbst fahren können und für jene, die schlicht kein Geld für ein eigenes
Auto haben.
Gleichzeitig hat individuelle Mobilität weiterhin einen hohen Stellenwert. Wir
fördern die Elektromobilität und den Ausbau eines Schnellladenetzes, denn das E-
Auto ist eine Chance für günstige und saubere Mobilität insbesondere für die
Menschen auf dem Land, wo die Menschen häufiger als in der Stadt über eigene
Dachflächen für Solaranlagen und das Aufladen mit Eigenstrom verfügen.
Auch die Wiederbelebung von Dorf- und Ortszentren mit dem Leitbild der Stadt der
kurzen Wege und die Förderung der Fuß- und Fahrradmobilität leisten einen
wertvollen Beitrag zu Klimaschutz und lebenswerten, attraktiven Gemeinden und
schonen den Geldbeutel. Dem Fahrrad kommt dank Mega-Trends wie Pedelecs und
innovativen E-Lastenrädern eine völlig neue Bedeutung auf dem Land zu, die mit
einem begleitenden Ausbau einer sicheren und alltagstauglichen Radinfrastruktur
unterstützt werden muss. Wir fordern
- die Förderung des E-Auto-Kaufs mit einem Bonus-Malus-System und eine
zusätzliche Förderung für Geringverdienende, die aufs Auto angewiesen
sind, mit weiteren Zuschüssen und zinslosen Krediten
- den zügigen Aufbau einer Schnelllade-Infrastruktur für E-Autos
- eine grüne Mobilitätsgarantie für mindestens stündliche Busverbindungen
zwischen 5 und 24 Uhr in ganz Bayern
- attraktive und vernetzte Verkehrsverbünde für ganz Bayern
- die Reaktivierung von 18 Bahnstrecken
- ein flächendeckendes und durchgängiges Netz von attraktiven, sicheren und
alltagstauglichen Radwegen
- mehr Handlungsspielraum für die Kommunen für die verkehrliche Gestaltung
ihrer Ortskerne, etwa durch Begegnungszonen und Tempo 30
- einen Rechtsanspruch auf schnelles Breitband-Internet, die Einrichtung von
Coworking-Spaces und die konsequente Nutzung der Möglichkeiten der
Digitalisierung in der Arbeitswelt, um so eine neue, zeitgemäße
Lebensqualität und digitale Teilhabe auf dem Land zu ermöglichen und
Verkehr zu vermeiden.
Klimawende auf dem Land zur Erfolgsgeschichte
machen
Eine an den Bürger*innen orientierte Energiewende und eine nachhaltige Mobilität
sind ein Gebot der Klimakrise. Sie sorgen aber insbesondere auf dem Land auch
für günstigere Lebenshaltungskosten, für bezahlbare und verlässliche
verkehrliche Anbindung, für mehr Wertschöpfung in der Region und gut bezahlte
Arbeitsplätze im Handwerk. Kommunen ermöglicht die Energiewende, mehr Mittel für
Kultur, Sport, Kinder- und Jugendangebote aufwenden zu können. So leisten
Energie- und Mobilitätswende einen großen Beitrag für gleichwertige
Lebensverhältnisse in Stadt und Land. Das ist unsere grüne Vision für den
ländlichen Raum. Wir schaffen mit Klimaschutz neue Chancen, mehr Wohlstand und
mehr Freiheit für alle Menschen – und insbesondere auf dem Land.
Unterstützer*innen
- Roland Barfus (KV München)
- Hermann Schoyerer (KV Freyung-Grafenau)
- Johannes Kirn (KV München-Land)
- Anneliese Droste (KV Neustadt-Waldnaab)
- Andreas Hofmann (KV Roth)
- Ingrid Karg (KV Roth)
Kommentare
Josef Freundl:
Es gibt erbitterten Widerstand in den Gemeinden (gegen Erneuerbare)
Die haben ein Denken wie vor 50 Jahren. Plutonium ist sowas wie Puderzucker das man auf Kuchen streut.
Ich würde gerne 17 ha PV machen ,alles wäre perfekt , ich darf nicht
Es sei nicht schön.
Gemeinderäte die nachweislich dumm sind sollten keine so große Macht haben
Landwirte sollten selber entscheiden können was sie auf Ihren Flächen machen ( sofern es keine Emissionen gibt)
Ein Windrad kann Probleme machen ist ok, das verstehe ich
Eine PV Anlage ist auch nicht hässlicher als Silomais und hat null Emission
Also ran an die Planungshoheit der Gemeinderäte wenn was entsteht das nachweislich gut ist und null Emission hat
Martin Wirth:
Auf jeden Fall müssen die RepräsentantInnen ernstgenommen werden. Man muss eben andere wählen. Daran vorbei geht es nicht. Allein das Eigentumsargument hatten wir jetzt jahrzehntelang durch die CSU.
Josef Freundl:
Kommunen die " Erneuerbare " bekämpfen müssen eher bestraft werden
Für die gilt keine Ertragsbeteiligung falls ein Objekt gerichtlich doch entsteht.
Es kann nicht sein ,dass deren Kriegskassen gefüllt werden, sollten die gerichtlich noch unterliegen.
Dirk Wildt:
Julia Probst:
Ich würde gerne den Antrag um den zwei Punkte erneuern: Bushaltestellen sollten mit PV bestückt werden oder ein grünes bienenfreundliches Dach erhalten, um ein Zeichen gegen den sinnlosen Flächenfrass zustellen.
Dann würde ich gerne noch was für die Tempo 30-Zonen einfügen: Kommunen sollten dazu aufgefordert werden genau auf die Einhaltung der Tempogeschwindigkeit zu achten, dies kann durch diese Buckel in diesen Straßen oder Einfpflanzungen von Buchten mit Bäumen, damit die Autos gezwungen werden, sich an die Vorschrift zu halten. Es kann nicht sein, dass Eltern sich damit behelfen müssen, Autos in Tempo-30-Straßen so zu parken, dass die Autos abgebremst werden, weil sich sonst keiner darum kümmert.
Martin Weberbeck:
Gaby Mutzbauer:
Sebastian Pohl:
TOP 3 Schutz unserer Lebensgrundlagen
Zeile 29 „Überschüsse“ streichen, stattdessen lassen sich die „notwendigen Güter“ produzieren
Zeile 30 ergänzen: … mit denen wir „auch“ die Menschen in unseren Städten
Peter Tausch:
und Energieverbrauch bei und erhöhen das Verkehrsaufkommen. Klimaschutz und der Energieeinsparung muß dort anfangen!